BGW und NABU tun was für den Schutz der Dohlen

Brauchen Dohlen Schutz? – mag sich manche*r fragen, denn in Bielefeld sieht man die Art doch oft. Das war aber nicht immer so, und es ist auch nicht überall so!

Unser kleinster Rabenvogel: die Dohle (Fotos: Andreas Schäfferling)

Um 1900 herum sollen überhaupt keine Dohlen in Bielefeld vorgekommen sein. Erst in der Nachkriegszeit nistete sich die Art in Ruinen ein und nahm schnell zu, in den Jahrzehnten danach aber auch wieder ab (vgl. Laske et al. 1991: Die Vögel Bielefelds). In den 1980er Jahren gab es nur etwa 50 Dohlenpaare in Bielefeld, überwiegend in der Oststadt und einige im Süden (z.B. Sennestadt). Erst um die Jahrtausendwende herum legte die Population deutlich zu und deckt heute fast das gesamte Stadtgebiet ab.

 

Weltweit und in Deutschland zählen die Dohlen nicht zu den gefährdeten Vogelarten. In NRW brütet fast die Hälfte der rund 100.000 deutschen Dohlenpaare. In anderen Bundesländern ist die Situation ganz anders: In vielen, vor allem ostdeutschen Ländern gingen die Bestände in den letzten Jahrzehnten zurück und die Art wurde auf die Vorwarnliste gesetzt oder sogar als gefährdet eingestuft (ADEBAR – Atlas Deutscher Brutvogelarten, 2014). Zunahmen im Westen konnten die Verluste im Osten und Norden ungefähr ausgleichen. In NRW tragen wir somit eine große Verantwortung für den Erhalt der mitteleuropäischen Population! Deshalb macht es Sinn, gerade hier in ihrem Verbreitungsschwerpunkt für ihren Schutz zu sorgen.

 

Die natürlichen Brutplätze der Dohlen sind große Baumhöhlen und Felsklüfte. Eine kleine Baumbrüterpopulation gibt es in Bielefeld nur noch im Höhlenzentrum des Schwarzspechts im Strothbachwald; dort sind sie scheu und störungsempfindlich. Ansonsten besiedelt die Art als Kulturfolgerin Höhlen und Nischen in Gebäuden als Felsersatz und hat sich sehr an die Menschen in ihrer Umgebung gewöhnt. Beliebt sind z.B. die Jalousienkästen im Universitätsgebäude, der wohl größten Gebäudekolonie in Bielefeld, und Kamine. Ungenutzte Kaminzüge sollte man der Dohle gerne überlassen, aber noch beheizte Schornsteine unbedingt mit einer Dohlenhaube oder einem Dohlengitter absichern, damit die Vögel kein Nistmaterial hineinwerfen können, das zu gefährlichen Verstopfungen führen würde.

 

Die BGW (Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH) und der Bielefelder NABU haben im Frühjahr 2021 in Oldentrup ein alternatives „Wohnbauprogramm“ umgesetzt und mit tatkräftiger Unterstützung der Fa. Ihde Gebäudetechnik an mehreren Wohnanlagen 20 Nistkästen für Dohlen aufgehängt und damit einmal mehr ihre Kernkompetenzen für Wohngebäude und Artenschutz zusammengeführt. Auch Kästen für Turmfalken wurden als „Beiwerk“ berücksichtigt. Bereits bei der Sanierung des benachbarten Wohnquartiers Spannbrink und in Jöllenbeck hatte die BGW nicht mehr benötigte Kamine eigens für die Dohlen erhalten. Wir rechnen stark damit, dass die intelligenten, sozialen und überaus unterhaltsamen Vögel die neuen Angebote bald entdecken werden. Im Spannbrink jedenfalls wurden die Kamine schon bezogen!

Moderne „Felsnischen“ über den Dächern der BGW-Wohnanlagen in Oldentrup warten auf ihre Bewohner! Die großen Öffnungen sind für Turmfalken gedacht, die runden Einflüge für Dohlen. Dohlen- und Turmfalkenportraits: Andreas Schäfferling.