Rieselfelder Windel in Bielefeld-Senne

Buchveröffentlichung: 30 Jahre Naturreservat und Stiftung Rieselfelder Windel

Im November 2025 bestand die gemeinnützige Stiftung Rieselfelder Windel 30 Jahre. Seit ihrer Gründung hat sie sich intensiv und erfolgreich um die Erhaltung und Weiterentwicklung der ehemaligen Rieselfelder Windel in Bielefeld-Senne als Naturreservat und Naherholungsgebiet eingesetzt und wurde dabei vom NABU Bielefeld durch Mitarbeit im Stiftungsrat, Durchführung von Naturschutzprojekten und finanzielle Förderung anhaltend unterstützt. 

Zu ihrem 30jährigen Jubiläum hat die Stiftung Rieselfelder Windel nun eine Buchbroschüre herausgegeben mit Darstellungen von acht Autor*innen über die 

  • Natur (Flora, Fauna, Pilze) in den Rieselfeldern
  • Gebietsentwicklung
  • Umweltbildung durch die Biologische Station
  • Gebietsgeschichte bis 1995
  • Stiftungsarbeit im Zeitraum 1995 bis 2025 

Das Buch umfasst 124 Seiten und ist reich bebildert. Es kann gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro in folgenden teilnehmenden Bielefelder Buchhandlungen erworben werden, derzeit:

Zahlreiche Sponsoren haben den günstigen Preis ermöglicht. 

Buchtitel, Pressevorstellung des Bandes (Fotos: Westfalen-Blatt / M. Poch, Neue Westfälische / B. Franke) 

Besonders herausragende Stiftungsprojekte in den vergangenen 30 Jahren waren: 

  • der Kauf der Hofstelle Ortmann (Hansmeyer), Niederheide 63, mit Unterstützung der NRW-Stiftung 1996 
  • die Um- und Neugestaltung von Kernflächen der Rieselfelder 1996-98 
  • die Verleihung des Bielefelder Umweltpreises 1996 an die Stiftungsväter Friedrich Meyer-Stork und Dietmar                 Stratenwerth 
  • der Einzug der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld in die Scheune des Hofes Ortmann mit Übernahme                der Gebietspflege 1997 
  • der Ausbau des ehem. Altenteilers zum Infozentrum 1998 
  • die Etablierung der naturpädagogischen Angebote ab 1999 
  • mehrere „Tage der offenen Tür“ der Biostation (Lammtage, Apfeltag) in den Folgejahren 
  • die Errichtung einer Maschinenremise in den Jahren 2000 / 2009 
  • die Eröffnung des Rundweges 2001 
  • der Abschluss der „Nordosterweiterung“ 2004 
  • die Renaturierung des Reiherbaches im Verlauf der Stiftungsflächen 2006/2007 
  • der Beginn des Internet-Auftrittes 2006 (Relaunch 2019) 
  • der Flächenkauf im Umfeld des Toppmannshofes 2012 
  • die Festsetzung des Naturschutzgebietes „Rieselfelder Windel“ 2014 
  • das Konzept zur Weiterentwicklung der Rieselfelder 2016 und schrittweise Umsetzung in den Folgejahren 
  • der Fotowettbewerb 2018 
  • die Verleihung des Heimatpreises 2022 
  • die Neugestaltung des Grünen Klassenzimmers 2024 

Als Ergebnis von Zukäufen und verschiedener Vertragsabschlüsse in den vergangenen drei Jahrzehnten umfassen die Stiftungsflächen derzeit über 57 ha; sie stellen somit gut die Hälfte des 2014 ausgewiesenen und ca. 102 ha großen „Naturschutzgebietes Rieselfelder Windel“ und haben eine hohe Bedeutung sowohl für die Naherholung im Bielefelder Süden als auch für den Naturschutz. Darüber informieren die einzelnen Kapitel des Jubiläumsbuches.

Die Rieselfelder  Windel: Naturparadies aus zweiter Hand in Bielefeld-Senne

Über den Rieselfeldern - Drohnenfotos von Günter Bockwinkel

Zwischen den Bielefelder Ortsteilen Windelsbleiche und Windflöte erstrecken sich im Süden der Stadt Bielefeld die Rieselfelder Windel. Das private Naturreservat liegt beidseits des Reiherbaches zwischen Friedrichsdorfer Straße im Norden und Lohmannsweg bzw. Buschkampstraße im Süden. Das Informationszentrum und die Biologische Station liegen zentral an der Straße Niederheide und sind mit dem Auto nur von der Buschkampstraße aus erreichbar, da die Durchfahrt kurz vor der Postheide unterbrochen ist.

 

Am 13. November 1995 unterzeichneten die Geschäftsführer Christian und Dr. Sebastian Meyer-Stork im Namen der Textilfirma Gustav Windel GmbH & Co. sowie die Vorsitzenden Dietmar Stratenwerth und Dr. Ulrike Letschert im Namen der Stiftung für die Natur Ravensberg den Vertrag zur Errichtung der unselbständigen Stiftung Rieselfelder Windel in der Treuhänderschaft der Stiftung für die Natur Ravensberg. Die Stiftung wurde mit einer (bis 31. Dezember 2055 befristeten) Dienstbarkeit zur Einrichtung und Unterhaltung von Biotopen auf zunächst knapp 35 ha sowie einem befristeten Erbbaurecht zur Errichtung dafür notwendiger Bauwerke ausgestattet. 

 

Aus der früheren Abwasserreinigungsanlage der Textilfirma Gustav Windel entstand einer der wertvollsten und artenreichsten Lebensräume Bielefelds, der 2014 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Durch Zukauf, Pacht und Nutzungsverträge ist die Stiftungsfläche inzwischen auf knapp 57,5 ha angewachsen, das Naturschutzgebiet umfasst ca. 102 ha (u.a. zusätzliche Ausgleichsflächen östlich der Buschkampstraße). 

 

Dieses „Naturreservat aus zweiter Hand“ bedarf als eine von Menschen geprägte Kulturlandschaft beständiger Pflege und Erneuerung, um ihre Biotopvielfalt und ihren hohen Wert für den Arten- und Naturschutz zu erhalten. Der ehrenamtliche Stiftungsrat und die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e. V. tragen dafür die Verantwortung. Aufgabe des Stiftungsrates ist es u.a., die für die Entwicklungsmaßnahmen notwendigen Pläne erstellen zu lassen, Firmen mit der Umsetzung zu beauftragen und die erforderlichen Finanzmittel zu beschaffen. Die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld, die Ihren Sitz im Stiftungsgebäude Niederheide 63 hat, ist mit der wissenschaftlichen Begleitung und der praktischen Durchführung der Pflege und Unterhaltung des Naturreservats sowie der Durchführung naturpädagogischer Bildungsangebote beauftragt.

 

Mitglieder des NABU Bielefeld arbeiten seit Anbeginn im Stiftungsrat mit (Jürgen Albrecht, Wolfgang Beisenherz, Arnt Becker, Meinolf Ottensmann) und unterstützen die Arbeit der Stiftung und der Biologischen Station personell (durch Arbeitseinsätze der Aktivgruppe) und finanziell (z.B. durch Fördermittel der Metzmacher-Stiftung des NABU Bielefeld). 

 

Pflanzen, Pilze und Insekten der Rieselfelder (Fotos: Ingo Jürgens, Paul Busch, Günter Bockwinkel)

Eine hohe Biotop- und Strukturvielfalt prägt das Gebiet: Grünland mit zeitweilig Wasser führenden Mulden (Blänken), Teiche und Gräben mit Röhrichtufern, Schilfbeete, Hecken und vereinzelten Altbaumgruppen wechseln sich ab. Die Landschaft hat einen offenen Charakter und ist insbesondere für Feuchte liebende Tier- und Pflanzenarten attraktiv. Bis auf den zentral das Gebiet durchströmenden Reiherbach und den nördlich angrenzenden Toppmannsbach sind alle Wasserflächen und Feuchtbiotope von Menschen geschaffen.

 

Das älteste Stillgewässer ist der große ehem. Mühlenteich an der Kreuzung von Post- und Niederheide. Er entstand durch Aufstau des Reiherbaches für Edinglohs Mahlmühle, die schon Mitte des 16. Jh. errichtet wurde und später zu Hof Dedert an der Postheide gehörte. Im 20. Jh. wurde östlich angrenzend der Nachklärteichteich für die Windelschen Abwässer angelegt. Hier wurden die drainierten vorgeklärten Abwässer gesammelt und in den Reiherbach eingeleitet. Noch heute gehört dieser Teich als letzte Nachklärstufe zur Kläranlage des Öko-Tech-Parks Windel und ist nicht Teil der Stiftungsflächen.

 

Mitte der 70er Jahre wurden ca. 20 ha der Rieselfelder in drei große Schilfbeet-Komplexe umgewandelt, die als Wurzelraumkläranlagen nach dem System KICKUTH für eine bessere Reinigung der schwer abbaubaren Abwasser-Inhaltsstoffe sorgten. Eine Kette von Schilfbeeten erstreckt sich entlang der Niederheide, eine weitere südlich des großen Teiches, eine dritte auf dem höchsten Geländepunkt nördlich des Lohmannsweges unter der Hochspannungsleitung. Hierhin wurde das Abwasser gepumpt und von hier aus in offenen Kanälen weiter verteilt und dann verrieselt. Große Schilfbeete lagen bis zur Aufgabe der Verrieselung Anfang der 80er Jahre auch jenseits der Buschkampstraße – sie sind heute leider nicht mehr erhalten und werden jetzt landwirtschaftlich genutzt. 

 

Alle weiteren Teiche, Blänken und Röhrichte wurden erst ab 1996 im Auftrag der Stiftung Rieselfelder Windel und mit kräftiger Finanzunterstützung der NRW-Stiftung geschaffen. Planung und Bauleitung der ökologischen Umgestaltung lagen bei der NZO-GmbH. Rund 20 neue Gewässer, die zeitweilig oder ganzjährig Wasser führen, prägen heute die ökologische Qualität des Gebietes. Dazu gehört auch der verbreiterte und umgestaltete ehem. Drainage-Sammelgraben, der auf halber Höhe zwischen Niederheide und Lohmannsweg verläuft. Als vorerst letzte Optimierungsmaßnahme beginnt im Jahr 2006 die Renaturierung des Reiherbaches zwischen Toppmannsweg und Postheide, die weitere Wasser- und Feuchtbiotope bringen wird. Über weitere Änderungen – ob Beeinträchtigungen oder evtl. auch Erweiterungen im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen – wird die Planfeststellung zum Bau der A 33 entscheiden.

 

Viele der Röhrichte und Teiche werden auch heute noch künstlich bewässert, tlw. unter Nutzung des alten Verteilersystems. Das Wasser hierfür stammt heute aus dem Ablauf der modernen Windelschen Kläranlage (gereinigtes Abwasser), die Pumpenenergie aus der Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Biologischen Station.

 

Die meisten Flächen sind von den Rundwegen und Aussichtspunkten gut einsehbar – das Betreten außerhalb dieser Wege ist zum Schutz der störungsempfindlichen Tiere nicht gestattet! Auch Ihren Hund müssen Sie aus diesem Grund anleinen! Die Rundwege beginnen am Informationszentrum – dort erhalten Sie auch schriftliche Informationen, u.a. den Rundwege-Führer. 

 

Weitere Informationen: www.rieselfelder-windel.de 

Amphibien, Vögel und Säugetiere in den Rieselfeldern (Fotos: Günter Bockwinkel, Ingo Jürgens, Meinolf Ottensmann, Claudia Quirini-Jürgens, Jürgen Albrecht, Andreas Schäfferling, Gritli Noack-Füller, Paul Busch, Bernhard Walter)