Stunde der Wintervögel in Bielefeld

Ergebnisse aus Bielefeld 2011 bis 2026

Seit 2011 ruft der NABU bundesweit zur Zählung der Wintervögel über jeweils eine Stunde am ersten Januarwochenende auf. Zählpunkte können im Siedlungsraum z.B. Garten, Balkon, Fenster oder Stadtpark sein.

 

Die Zählaktion erfreut sich großer Beliebtheit, auch in Bielefeld. Der Rekord wurde im Coronajahr 2021 aufgestellt: 1.092 Beobachter*innen an 786 Orten (wohl meist Gärten oder wohnungsnahe Grünanlagen) erfassten 22.161 Vögel von 72 Arten mit durchschnittlich 28,1 Individuen pro Zählpunkt. Nach einem anschließenden Rückgang stieg zumindest die Teilnahme wieder an: 2026 zählten 815 Teilnehmer*innen an 602 Orten 15.355 Vögel von 65 Arten mit durchschnittlich 25,5 Individuen pro Zählpunkt (Grafik 1 und 2).

 

Im 15jährigen Mittel (2011-2025) wurden in Bielefeld 33,0 Vogelindividuen pro Zählpunkt festgestellt. Insgesamt wurden bei den Zählungen dieser 15 Jahre 80 Vogelarten mehrfach in Bielefeld beobachtet sowie weitere 19 Arten einmalig (incl. vermutlicher Fehlbestimmungen).

 

Bundesweit erfassten im Rekordjahr 2021 fast 230.000 Beobachter*innen an knapp 160.000 Zählpunkten über 5,5 Millionen Vögel von 196 Arten. 2026 waren es 143.443 Beobachter*innen in 100.767 Gärten mit 3,23 Mio. Vögeln– also eine ähnliche Entwicklung wie in Bielefeld.

Grafiken 1 und 2: Anzahl der Teilnehmer, Zählpunkte, Gesamtzahlen der beobachteten Arten und Individuen (bis einschl. 2025), die 40 weitverbreitetsten Wintervogelarten in Bielefeld (2011-2025). Zum Vergrößern anklicken!

 

Grafik 3: Die 40 meistgezählten Vogelarten in Bielefeld (Summe der Jahre 2011-2025).

Unter den „Top 20-Arten“ in Bielefeld finden sich 12 der häufigsten Brutvogelarten im Bundesgebiet (Amsel, Buchfink, Kohlmeise, Haussperling, Rotkehlchen, Zaunkönig, Blaumeise, Ringeltaube, Kleiber, Heckenbraunelle, Grünfink, Buntspecht). Deutlich stärker als bundesweit vertreten sind in den Bielefelder Top 20: Elster, Eichelhäher, Gimpel, Rabenkrähe, Feldsperling und Türkentaube. Die auffälligen Unterschiede lassen sich weitgehend erklären durch:

  • Zugverhalten (5 der bundesweiten Top20-Arten sind Zugvögel: Star, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Sommergoldhähnchen, und fehlen demgemäß in den vorderen Bielefelder Rängen)
  • Betonung siedlungsaffiner Arten (3 der bundesweiten Top20-Arten sind Arten des Nadelwaldes [Tannenmeise, Sommergoldhähnchen] und der Feldflur [Goldammer] und erscheinen in Bielefeld nachrangig, während umgekehrt siedlungsaffine Arten wie Elster, Feldsperling und Türkentaube in Bielefeld stärker vertreten sind als bundesweit (wobei gewisse Zweifel bestehen, ob die „Feldsperlinge“ korrekt bestimmt worden sind, vgl. nachfolgende Abbildung „Verwechslungskandidaten“). Auch Eichelhäher, Rabenkrähen und Gimpel sind weitgehend an Menschen gewöhnt und in Gartensiedlungen überproportional zu beobachten.

Abb: Verwechslungskandidaten Haus- und Feldsperling, Heckenbraunelle (Infografik: NABU)

Grafik 4: Rückgang der Individuenzahl pro Zählpunkt (Hinweis: die lineare Trendlinie aus MS-Excel entspricht nicht der Regressionsgeraden). Zum Vergrößern anklicken!

Die Zählreihe 2011 bis 2025 der durchschnittlich pro Zählpunkt beobachteten Individuen (Grafik 4) belegt, dass sich der bundesweite Verlust an Vogelindividuen auch in Bielefeld bemerkbar macht: Die Individuenzahl pro Zählpunkt nimmt statistisch signifikant ab, im Mittel um etwa ein Individuum pro Jahr – das sind jährlich etwa 2,7% des Startwertes von 2011! Allerdings blieb die Individuenzahl in den letzten 8 Zähljahren nahezu stabil, was in etwa auch mit dem Bundestrend übereinstimmt (Gerlach et al. 2025).

 

Die 15-jährigen Zählergebnisse der häufigeren Arten in Bielefeld zeigen für ca. 15 Arten einen abnehmenden und für ca. 13 Arten einen stabilen (ungerichteten) Bestandstrend; nur zwei Arten (Saatkrähe, Stieglitz) nehmen zu (Grafiken 5 bis 10): 

Grafiken 5 und 6: Wintervögel in Bielefeld mit ungerichtetem Trend. Zum Vergrößern anklicken!

 

Grafiken 7 bis 9: Wintervögel in Bielefeld mit abnehmendem Trend. Zum Vergrößern anklicken!

Grafiken 10 bis 12:  Wintervögel in Bielefeld mit zunehmendem Trend / Einige typische, auch im Siedlungsbereich anzutreffende Wintergäste / Beobachtungszahlen von Wintervögeln mit unterschiedlichem Zugverhalten. (Hinweis: die linearen Trendlinien aus MS-Excel entsprechen nicht den Regressionsgeraden)Zum Vergrößern anklicken! 

Die typischen Wintergäste, die auch in Siedlungsnähe anzutreffen sind (z.B. Bergfink, Erlen- und Birkenzeisig, Wacholderdrossel) erscheinen oft wetterabhängig und ihre Anzahl schwankt wie auch die der Invasionsvögel (z.B. Seidenschwanz, Fichtenkreuzschnabel Tannenhäher, tlw. auch Bergfink und Kernbeißer) stark (Grafik 11). Der zuletzt sehr stark vertretene Bergfink fiel in diesem Jahr nicht besonders auf, insgesamt waren die typischen Wintergäste schwach vertreten, womöglich aufgrund eines ausreichenden Futterangebotes in ihrem natürlichen Winterlebensraum.

 

Das in Bielefeld aussterbende Rebhuhn als Vogel des Jahres 2026 wurde im gesamten Zeitraum nur dreimal gemeldet (2011, 2022, 2026), ist allerdings auch kein Gartenvogel.

 

Mögliche Gründe für den überwiegend negativen Trend bei Bielefelder Wintervögeln sind: 

1)      der allgemeine Rückgang der Vogelindividuen bei den Brutvögeln in Deutschland 

2)      speziell bei den Wintervögeln im Siedlungsbereich: zunehmend milde Winter und der damit verbundene Rückgang der Wintergäste aus Nord- und Osteuropa. 

3)      Bei Baumsamenfressern die zunehmende Häufigkeit an Mastjahren. 

 

Zu 1) Etwa 7 Millionen Brutpaare verschwanden zwischen 1992 und 2016 in Deutschland, das sind etwa 14 Millionen Vögel! Bei einem aktuellen Bestand in Deutschland von etwa 11 - 105 Mio. Revieren/Brutpaaren war das fast ein Zehntel aller Vögel (Weitere Informationen: Gerlach, Dröschmeister, Langgemach et al. 2019 und 2025: Vögel in Deutschland – Übersichten zur Bestandssituation. DDA, BfN, LAG VSW, Münster). Im Zeitraum 2010 bis 2022 zeigten zwar 40% der Vogelarten wieder Bestandszunahmen, aber immer noch rund 30% Bestandsabnahmen.

 

Zu 2) die Gruppe der klassischen Wintergäste (Arten, die bei uns gar nicht, nur ausnahmsweise oder zumindest relativ selten brüten (Birken- und Erlenzeisig, Bergfink, Nebelkrähe, Gänsesäger, Rotdrossel, Wacholderdrossel, Kornweihe) zeigt einen deutlich negativen Trend (Grafik 12, blaue Kurve). Allerdings belegen die Beobachtungszahlen (noch) keinen umgekehrten Trend: die früh zurückkehrenden Kurzstreckenzieher, die gelegentlich auch Überwinterungsversuche bei uns wagen (Star, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Hausrotschwanz, Bachstelze, Misteldrossel) bleiben insgesamt auf einem niedrigen Niveau (Grafik 12, grüne Kurve) und werden nicht zahlreicher, wie es der Klimawandel erwarten ließe – dazu liegt der Zählzeitpunkt im Januar wohl doch noch zu früh!

 

Zu 3) Es wird vermutet, dass zwischen dem Klimawandel und der Häufung von Mastjahren ein Zusammenhang besteht. Bei guter Samenproduktion besteht z.B. für Berg- und Buchfinken weniger Druck, Futterstellen aufzusuchen. 

 

Aufgeschlüsselt nach Verwandtschaftsgruppen mit ähnlichen Nahrungsgewohnheiten nehmen die Meisen am stärksten ab, gefolgt von den Finken und den Drosseln. Alle drei Gruppen enthalten auch Wintergäste, die im Gartenumfeld wohl besonders den Winterbestand der Meisen prägen. Die Rabenvögel (Dohle, Saat-, Raben- und Nebelkrähe, Elster, Eichel- und Tannenhäher, Kolkrabe) und Spechte (Bunt-, Mittel-, Klein-, Grün- und Schwarzspecht) scheinen dagegen als Gruppen weitgehend stabile Bestände zu haben (Grafik 13). 

Grafik 13: Die Entwicklung der Beobachtungsergebnisse nach Verwandtschaftsgruppen 2022-2025. Zum Vergrößern anklicken! 

Interessante Zusammenhänge und Ergebnisse der bundesweiten Zählungen zeigen folgende, schon ältere Grafiken des NABU-Bundesverbandes:

Der NABU-Bundesverband hat einen ausführlichen Ergebnisbericht über „15 Jahre Vogelzählung und Citizen Science im NABU“ veröffentlicht, mit vielen weitergehenden Auswertungen, u.a. auch zu den bundesweiten Wintervogelzählungen. Die bundesweiten Originaldaten sind unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/ergebnisse/ zugänglich.

 

Ein zusammenfassender Bericht über die Ergebnisse der Bielefelder Garten- und Wintervogelzählungen 2006 bis 2021/22 ist im 15. Jahresheft des NABU Bielefeld erschienen:

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Garten- und Wintervogelzählungen in Bielefeld (aus: Jahresheft 15 des NABU Bielefeld 2022)
15-Albrecht-Schäfferling-Garten-Wintervo
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Presseberichte zu Wintervögeln in Bielefeld

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Neue Westfälische am 18. Dezember 2022: Wintervögel am Futterhaus
NW-2022-12-18_Besonderer Lohn für die Fr
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Neue Westfälische am 6. Januar 2022: Dreckspatz ist willkommen
NW-2022-01-06_Dreckspatz-ist-willkommen.
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Westfalen-Blatt am 5. Januar 2022: Was fliegt denn da im Garten?
WB-2022-01-05-_Was-fliegt-denn-da-im-Gar
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Neue Westfälische am 5. Januar 2022: Stunde der Wintervögel
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Neue Westfälische am 18. Januar 2021: Absturz: Nur noch halb so viele Vögel pro Garten
NW-2021-01-18_Absturz-Nur-noch-halb-so-v
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Neue Westfälische am 22. Januar 2020: Bunte Vielfalt der Bielefelder Wintervögel
NW-2020-01-22_Bunte-Vielfalt-der-Bielefe
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Neue Westfälische am 19. Januar 2016: Die große Vogelzählung
NW-2016-01-19_Die-große-Vogelzaehlung.jp
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Neue Westfälische am 4. Januar 2013: Vielfalt vor dem Küchenfenster
NW-2013-01-04_Vielfalt-vor-dem-Küchenfen
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Neue Westfälische am 27. Dezember 2010: Stunde der Wintervögel
NW-2010-12-27_Stunde-der- Wintervögel.jp
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