Im NABU Bielefeld gibt es seit Jahresbeginn 2022 eine Fledermaus-AG!
Fledermäuse kommen zwar überall in Bielefeld vor, sind aber trotzdem nicht so allgegenwärtig wie z. B. Vögel. Sie führen ein eher heimliches Leben, da sie weitgehend nachtaktiv sind. Von den aktuell in Nordrhein-Westfalen lebenden 19 Fledermaus-Arten wurden 15 in den vergangenen Jahren auch in Bielefeld nachgewiesen.
Das bekannteste Fledermaus-Gebiet in Bielefeld dürfte die Sparrenburg sein - neben vielen anderen Winterquartieren gibt es in Bielefeld aber auch zahlreiche weitere Quartiere, wie Wochenstuben, wo die Weibchen ihre Jungen aufziehen, oder andere Sommerquartiere in Baumhöhlen, Fledermauskästen, hinter Fassaden- und Dachverkleidungen, auf Dachböden z. B. von Kirchen und viele andere Gelegenheiten mehr. Um einen wirksamen Schutz der Fledermäuse in Bielefeld zu gewährleisten, wissen wir noch viel zu wenig über die Fledermausvorkommen hier. Wir wollen mit der neuen Fledermaus-Arbeitsgruppe im NABU ein wenig dazu beitragen, den Schutz vor Ort zu verbessern.
Wie können wir das erreichen? Zum einen wollen wir Verbreitungsdaten erheben durch Kontrolle von Fledermauskästen und von bekannten oder potentiellen Winterquartieren sowie die akustische Erfassung in ausgewählten Projektgebieten. Als praktischen Naturschutzbeitrag wollen wir Fledermauskästen bauen und in ausgewählten Gebieten aufhängen, vorhandene und potentielle Winterquartiere optimieren bzw. herrichten und uns um Fundtiere kümmern. Alle Aktivitäten finden in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt der Stadt Bielefeld statt, welche für den gesetzlichen Artenschutz zuständig ist.
In der Arbeitsgruppe können interessierte Anfänger und Fortgeschrittene mitmachen, die sich längerfristig engagieren möchten – natürlich sind auch „Schnupperbesucher“ willkommen! Interessenten melden sich bitte bei der Gruppenleitung (zurzeit Arnt Becker), um in den Einladungsverteiler aufgenommen zu werden. Die Treffen beginnen in der Regel im Vereinshaus des NABU Bielefeld, Wiesenstr. 21. Sie werden im NABU-Programm (online und Faltblatt) und durch E-Mails bekannt gegeben.
v.l.n.r.: Verletzte Breitflügelfledermaus – Wasserfledermaus im Winterquartier – Kontrolle von Fledermauskästen
(Fotos: A. Becker)
Anmeldungen für die Teilnahme an AG-Abenden oder generelles Interesse an einer Mitarbeit (Aufnahme in den Einladungsverteiler) bitte an Arnt Becker richten: [email protected]
Für alle Termine: Weitere Information & Anmeldung bei Arnt Becker
Die Fledermausbegehung am 7. Juni wurde von 3 Personen der Fledermaus-AG des NABU Bielefeld bei nicht ganz optimalem Wetter von 22:00 bis 0:50 Uhr, beginnend und endend am Viadukt, durchgeführt.
Die Temperaturen lagen zwischen 16 und 9°C bei Windstille, in der Aue bildete sich schon früh Dunst, was den Jagderfolg der Fledermäuse mindert.
Zum Hören und zur
Aufzeichnung der Fledermausrufe wurden 2 Geräte des Typs EchoMeterTouch und ein weiterer Detektor ohne Aufnahmefunktion verwendet. Parallel wurde vor der Begehung ein automatisches
Aufzeichnungsgerät (Batlogger) auf der NABU-eigenen Fläche am Johannisbach aufgebaut und über die ganze Nacht betrieben.
Die Fledermaus-Rufaufnahmen wurden mithilfe
von Spektrogrammen im Programm BATscreenPro bearbeitet und soweit möglich konkreten Fledermausarten zugeordnet.
Die Ergebnisse sowohl der Begehung als auch der
automatischen Rufaufzeichnung sind zusammenfassend im nachfolgenden Luftbild dargestellt.
Legende zum Luftbild und Erläuterung der Darstellung:
In der Abbildung wurden alle Aufnahmen mit Fledermausrufen als farbige Punkte am jeweiligen Aufnahmestandort dargestellt. Aufgrund der Menge der Aufnahmen (n=172) bei der Begehung und der
Beschrän-kung der Kartendarstellung liegen diese Punkte teilweise übereinander und sind daher nicht alle sichtbar.
Nicht in allen Aufnahmen konnten die Fledermausrufe sicher einer Art zugeordnet werden. Beschriftet mit den Abkürzungen der wissenschaftlichen Namen wurden nur die Aufnahmen, die sicher einer
konkreten Art zugeordnet werden. Allerdings können nicht alle Beschriftungen dargestellt werden, jedoch wurde auf eine repräsentative Auswahl geachtet.
Folgende Abkürzungen werden verwendet:
|
Ppip |
Zwergfledermaus |
|
Pnat |
Rauhautfledermaus |
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Mbart |
Bartfledermaus im weiteren Sinne (Brandt- und Bartfledermaus) |
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Mdau |
Wasserfledermaus |
|
Nnoc |
Abendsegler |
|
Nlei |
Kleinabendsegler |
|
Eser |
Breitflügelfledermaus |
Fazit:
Insgesamt wurden bei dieser Untersuchung sieben Fledermausarten gefunden (siehe Tabelle oben). Die beiden Arten Rauhautfledermaus und Bartfledermaus i.w.S. wurden nur in jeweils einer Aufnahme
bestimmt und gelten daher (noch) nicht als sichere Nachweise.
Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des nicht optimalen Wetters als gut zu bezeichnen:
Die Johannisbach-Aue hat für Fledermäuse eine hohe Bedeutung!
Weitere Untersuchungen sind geplant und werden die Ergebnisse sicher bestätigen und ausbauen.
Bislang wurden u.a. folgende Aktivitäten durchgeführt:
- Einführung in die Biologie der Fledermäuse und ihre Rufe
- Einführung in die Bestimmung von Fledermäusen im Winterquartier anhand von Bildern
- Fledermausexkursionen in die Dankmasch und die Johannisbach-Aue
- Herrichtung eines potentiellen Winterquartiers am Obersee
- Kontrollen von Fledermauskästen in Lippe
- Fledermausexkursion im Bokelfenn-Wald
- verschiedene Kontrollen von Fledermaus-Winterquartieren im Teuto
- Begehungen der Innenstadt zur Erfassung von Winterschwärmen der Zwergfledermaus
- Mitbetreuung der BFA-Tagung zum Fledermausschutz in der RaSpi (14.-16.4.2023)
- Erfassung von Gebäudefledermäusen in einer Großwohnanlage in Oldentrup
- Erfassung von Kirchenfledermäusen in Kirchdornberg
- Verhören von Fledermäusen rund um die Sparrenburg
- Erfassung des herbstlichen Schwärmens an einem Winterquartier
- Ausbau eines neuen Fledermausquartiers am Johannisbach
- Analyse und Bestimmung von Fledermausrufen
- Untersuchung von Steinbrüchen auf Fledermausquartiere
- Maßnahmen zum Fledermausschutz an der St. Johanniskirche in Halle
- Erkundung von Standorten zur Einrichtung neuer Winterquartiere
- Erfassung von Fledermäusen in den Rieselfeldern Windel und der Johannisbachaue (vgl. oben)
Poster-Präsentation beim NABU-Sommerfest 2023